Kaffeesorten: Arabica vs. Robusta

Inhaltsverzeichnis

Gastartikel von Sven Konopka - Röster und Quality Control; SCA Barista Professional

Kaffee-Experte Sven Konopka

Einleitung

Früher war es Bestandteil jedes Werbespots und jeder Anzeige, das Prädikat “100% Arabica”, wobei es wohl nicht übertrieben wäre zu sagen, dass vermutlich nur die allerwenigsten überhaupt eine Ahnung hatten, was es denn außer Arabica sonst noch geben könnte. Dabei gibt es aktuell, neben dem “coffea arabica”, wie die Pflanze botanisch korrekt heißt, noch 130 weitere “coffea-Spezies”, wovon eben nur 2, aufgrund ihrer Eigenschaften den Weltmarkt unter sich aufteilen. Die Nummer 2 bildet dabei der “coffea canephora”, landläufig besser bekannt als Robusta.

Unterschiede zwischen Arabica & Robusta

Der Robusta wurde lange Zeit nach dem Arabica entdeckt und aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit, seit diesem Zeitpunkt, intensiv kultiviert und ausgebaut. 

Robusta kann in niedrigeren Lagen gedeihen und ist toleranter gegenüber Niederschlägen, Sonneneinstrahlung, Temperaturschwankungen und Schädlingen. Letzteres liegt vor allem an seinem hohen Koffeingehalt, der doppelt so hoch ist wie beim Arabica, denn Koffein ist ein natürliches Pflanzengift. 

Auch aber nicht nur wegen seines hohen Koffeingehalts, schmeckt der Robusta, herber, bitterer, erdiger und kräftiger als der Arabica, lässt aber dessen Facettenreichtum vermissen wenn es um komplexe Aromen geht. Aktuell sind tatsächlich nur wenige Robusta-Kaffees dazu in der Lage in puncto Komplexität, mit gründlich ausgebauten Arabica-Kaffees mitzuhalten, wenn auch in diesem Bereich weiter fleißig geforscht, gekreuzt und gezüchtet wird. Ich habe 2019 bei einem Robusta-Cupping bei Coffee Circle in Berlin, einen Robusta aus Tansania verkostet, der blind nicht von einem Arabica zu unterscheiden gewesen wäre. 

Man sieht also, in diesem Bereich wird noch einiges auf uns zu kommen und diese Entwicklungen sind auch, dank des menschengemachten Klimawandels, bitter nötig, wenn wir auch in 30 Jahren noch Kaffee trinken wollen, bzw. uns diesen leisten können wollen.

Der meist günstigere Robusta ist aus klassischen, italienischen Blends, aber auch aus Barmischungen modernerer Röster, nach wie vor kaum wegzudenken. 

Schon ein geringer Robusta-Anteil ab 20 Prozent, sorgt für einen kräftigen, karamelligen Geschmack und, dank des geringeren Fettgehalts der Robusta-Bohne, für eine stabile und feste Crema. Das geht allerdings oft zu Lasten der komplexeren Aromen des Arabica-Anteils, die durch den dominanten Robusta schnell überdeckt werden. Deshalb ist der Robusta in den Kreisen der Specialty Coffee-Hardliner, eher verpönt. 

Die Generation Latte Macchiato ist aber an den kräftigen, eher rauen Charakter der klassischen, italienischen Mischungen gewohnt. Darüber hinaus ist der durchschnittliche, deutsche Kaffeetrinker alles andere als ein Gourmet, der Kaffee soll billig sein und Wirkung zeigen. 

Deshalb können auch die meisten progressiven Kleinröster in Deutschland, nicht darauf verzichten Robusta für ihre Barmischungen zu verwenden, um ihr Geschäft tragen zu können. 

Innerhalb der beiden Spezies Arabica und Robusta, gibt es noch eine Unmenge an Unterarten/Varietäten, die sowohl im Erscheinungsbild, als auch geschmacklich, ganz unterschiedliche Eigenschaften mit sich bringen. Einige sind natürliche Mutationen, die nach ihrer Entdeckung gezielt kultiviert wurden, da sie gewissen wünschenswerte Eigenschaften entwickelt hatten. Wieder andere wurden durch gezielte Kreuzung und Züchtung im Labor kreiert, häufig mit Fokus auf Ertrag und Widerstandsfähigkeit, aber auch Geschmack.