“Höher, schneller, weiter” – Nachhaltigkeit im Leistungssport

Inhaltsverzeichnis

In diesem Gastbeitrag schreibt die Badminton-Nationalspielerin Miranda Wilson über Nachhaltigkeit im Leistungssport.

Konfliktverhältnis oder Potential?

Der Klimawandel beeinflußt den Sport. Der Sport treibt den Klimawandel voran. Auch in der Welt des Sports sind nachhaltige Ansätze mittlerweile angekommen. Fußballvereine bieten grüne Eintrittskarten an, von denen ein Betrag fürs Klima gespendet wird. Das IOC (Internationale Olympische Committee) will sich am gigantischen Aufforstungsprojekt quer durch Afrika, der „Great Green Wall“ beteiligen. Es gründen sich Initiativen und Vereine, die Sportler, Fans und Beteiligte ermutigen und unterstützen sich Maßnahmen zur Klimakrise zu widmen. Gleichzeitig fliegen Athleten aber weiterhin zu ihren Wettkämpfen, die deutsche Fußballnationalmannschaft sogar von Stuttgart nach Basel. „Die Welt des Sports wird nie nachhaltig sein“, sagen Skeptiker und zeigen auf die grundlegende Haltung, die den Sport prägt:

„Höher, schneller, weiter“

Darum dreht es sich im Leistungssport. Als Athleten stellen wir unsere eigene Performance in den Mittelpunkt. Schauen wir nicht auf uns selbst, so schaffen wir auch keine Höchstleistungen. Aber heißt das Leistung um jeden Preis? Auf Kosten der Erde und nachfolgender Generationen?

Die Sportwelt ist ein Treiber des Klimawandels. Von Emissionen der Flugreisen von Profisportlern über gigantische Sportevents, wie die Olympischen Spiele bis hin zu den Freizeitsportlern, die sich jedes Jahr mit neuem Material eindecken wollen. Eine Qualifikation für die Olympischen Spiele verursacht in meiner Sportart Badminton alleine durchs Reisen rund 50 Tonnen CO2 im Jahr.

Zum Vergleich:
2 Tonnen pro Person pro Jahr wären im Schnitt klimaverträglich. Was tun also? Die Sportkarriere an den Nagel hängen, nachhaltig leben und den Profisport sein lassen? Oder eine Leidenschaft zum Beruf werden lassen, sich nachhaltigen Lösungen widmen und die Stimme als Athlet*in nutzen? Eine Zwickmühle, die so oder so einen hohen Preis fordert.

Mein Mindset: Just do it

Seit etwa 4 Jahren engagiere ich mich neben meiner sportlichen Karriere aktiv für mehr Nachhaltigkeit im Sport. Zunächst mit Zero-Waste, Fair Fashion und CO2 Kompensation meiner Turnierreisen. Mittlerweile bin ich Initiatorin des ersten Klima- und Aufforstungsprojekts meiner Sportart Badminton (Badmintonearth), welches die Badmintonwelt von Hobby bis Profi, von Fan bis Verein zusammenbringt und der Klimakrise im Badminton eine Bühne gibt. Zusammen mit Deutschen Nationalspieler*innen und zahlreichen Unterstützer*innen haben wir so bisher Spenden für fast 1000 Baumpflanzungen erhalten, sowie für Solartechnik und soziale Projekte. Vor Kurzem wurde ich zur Klimabeauftragten im Deutschen-Badminton-Verband und habe so die Möglichkeit meine Stimme als Athletin einzusetzen.

Miranda Wilson Badmintonearth

Es haben sich Möglichkeiten aufgetan, mit denen ich nie gerechnet hätte. Ich bin auf andere Sportler und Initiativen gestoßen, die sich durchweg für das Potential des Sports in der Klimakrise einsetzen und ihre Ideen in Taten umsetzen. Das Projekt Badmintonearth steht nicht allein da. Die Organisationen Sports4trees und SportsForFuture agieren sportartübergreifend und vernetzen Athleten, Vereine und Verbände, die sich stark machen wollen fürs Klima. Es gibt einen Hockeywald, ins Leben gerufen von der Damen-Hockeynationalmannschaft; ein Aufforstungsprojekt der deutschen Ruderer und einen englischen Fußballverein, der sich in seinem gesamten Handeln nachhaltig ausrichtet. Von Mobilität bis Stadionbau. All diese Menschen vereint ein Mindset, welches auf Offenheit setzt statt auf Verschlossenheit. Der Sport hat bereits bewiesen, dass er Menschen vereint. Er kann ein Schlüssel in der Bewältigung der Klimakrise sein. Was wir brauchen, sind Menschen, die Ideen entwickeln und mutig sind diese einfach umzusetzen.

Meine Stimme als Sportlerin

In der Zwickmühle zwischen Sport und Nachhaltigkeit habe ich mich schon lange entschieden. Und zwar für beides. Ich gehe meinen Weg als Athletin. Denn ich bin mehr als nur Sportlerin, die auf dem Feld steht und für den Sieg kämpft. Ich stehe in der Öffentlichkeit mit meiner Stimme und bin Vorbild für Nachwuchsathlet*innen. Kurz gesagt: Ich habe Verantwortung. Sport geht auch nachhaltig, davon bin ich überzeugt.

Wir sehen Veränderung und Maßnahmen, wie zum Beispiel die Planung klimaneutraler Olympischer Spiele, genauso sehen wir Negativbeispiele, wie die Akteure des Fußballs, die steht’s beweisen, dass sie trotz vorhandener Möglichkeiten, sich lieber für wenig nachhaltige Wege entscheiden.

Der Spitzensport wird nicht von heute auf morgen nachhaltig. Das ist wie im Sport selbst. Harte Arbeit und jeden Tag kleine Schritte nach vorne bringen letztlich den sportlichen Erfolg. Ich kenne keinen Sportler, dem alles zugeflogen ist und er so Weltmeister wurde. So ist das auch mit der Nachhaltigkeit im Sport. Handeln, statt nur zu reden, Schritt für Schritt, statt stehenzubleiben.

Wo wären wir, wenn wir gute Ideen nie umgesetzt hätten, sondern nur gesehen hätten, wie weit weg wir von unserem Ziel sind? Wer kann schon vorher sagen, was möglich ist und was nicht? Wer sagt, dass die Sportwelt nie nachhaltig sein kann?

Wir brauchen mehr Menschen, die sich stark machen für ihre Ideen und eben einfach mal machen statt zu reden. Udo ist ein positives Vorbild für uns alle. Aus einer kleinen Idee ist ein Start Up geworden, das nun ein bedeutender Teil der Zero-Waste Bewegung ist. Damit trägt Udo nicht nur beim Einsparen von zahllosen Coffee-to-Go Cups bei, sondern Udo trägt auch eine Botschaft weiter.

Als Sportlerin will ich genau das machen: Positive Veränderung bewirken durch mein Handeln und durch meine Stimme als Sportlerin.

Miranda Wilson Udo Mehrwegdeckel

Fun Fact: Nicht nur wir hatten ein Interview mit Airpaq, sondern auch Miranda. Hier geht sie auf das Thema "Umweltschutz im Profisport" ein.